12.03.2021

Das kleinste, wirkungsvolle Plakat des Festjahres

Interview mit Detlef Behr, dem Designer der Sonderbriefmarke

Detlef Behr ist Diplom-Designer aus Köln und hat zum Festjahr 2021 die Sonderbriefmarke „CHAI – Auf das Leben“ gestaltet. Wir haben ihn gefragt, wie es dazu kam, dass er die Briefmarke gestalten durfte, welche Vorgaben es gab und was ihn inspiriert hat. 

  1. Wie haben Sie von der Ausschreibung zur Gestaltung der Sonderbriefmarke gehört?

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) betreut im Auftrag der Deutschen Post einen Großteil der Sonderbriefmarken. Dort angesiedelt ist ein Themenbeirat, der über die Themen und einen Kunstbeirat, der über die Entwürfe entscheidet. Letztes Wort hat der Bundesfinanzminister, dem die Platzierungen eins bis drei vorgelegt werden.

Das BMF hat einen Designerpool, für den man sich als Gestalter bewerben muss. Dort bin ich Mitglied. Aus diesem Pool werden dann je Thema drei Designer eingeladen, jeweils maximal drei Entwürfe für die anonyme Jurierung durch den Kunstbeirat einzusenden.

  • Haben Sie schon einmal eine Briefmarke gestaltet?

Ich freue mich sehr, dass ich bei zehn Einladungen dreimal einen dritten, zweimal einen zweiten und viermal einen ersten Platz belegt habe. Realisiert wurden die „Weihnachtsmarke 2017“, „Fritz Bauer“ aus der Reihe „Aufrechte Demokraten“ und „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Anfang Mai wird die von mir gestaltete Sondermarke „Sophie Scholl“ veröffentlicht.

  • Was sind die besonderen Herausforderungen bei der Gestaltung einer Briefmarke?

Aus meiner Sicht: möglichst drei unterschiedliche Ideen zu entwickeln und diese dann auf dem sehr kleinen Format so zu visualisieren, dass sie inhaltlich verständlich sind und zusätzlich eine gewisse gestalterische Attraktivität ausstrahlen.

  • Gab es Vorgaben, die eingehalten werden mussten?

Es gibt, vom Thema unabhängig, verschiedene Vorgaben, die man als Gestalter berücksichtigen muss. Sie betreffen die Markenformate, druck- und stempeltechnische sowie inhaltliche Aspekte. So dürfen keine Logos/Hoheitszeichen, lebende Personen oder Waffen- und Gewaltdarstellungen gezeigt werden. 

Zum gestellten Thema an sich gibt es einen ersten inhaltlichen Input und eine fachlich versierte Ansprechperson, an die wir Gestalter uns bei weiteren Fragen (z.B. Literatur, Abbildungen) wenden können.

  • Was hat Sie zur Farbgebung und Schrift inspiriert?

Grundsätzlich basiert die Idee des Siegerentwurfs auf Erkenntnissen, die ich aus Gesprächen mit der Geschäftsführerin des Vereins 321, Dr. Regina Plaßwilm und der Zusammenarbeit mit der Übersetzerin Tal Kaizman gewonnen habe. Man sieht die jüdische Gemeinde als selbstverständlichen Teil der Gesellschaft, aktiv in der Mitgestaltung und mit Blick nach vorne.

Formal ist die Gestaltung der Gegenentwurf zu einem anderen Layout, wo ich collagenhaft mit vielen Einzelelementen gearbeitet habe. Hier ist es dagegen die Konzentration auf die lebensbejahende Grundaussage: Chai – Auf das Leben!

Die Farben sind kein Zufall: das Gelb (Gold) steht für das himmlische oder göttliche Licht, das Rot symbolisiert Blut und damit das Leben, das Blau, das sich auch im Betschal und der Flagge wiederfindet, bezieht sich auf Gott im Himmel. Als Schrift ist eine serifenlose, zeitgemäße Typografie im Einsatz. 

  • Fand während der Arbeit ein Austausch mit Jüdinnen*Juden statt?

Persönlich war die Zusammenarbeit mit Tal Kaizman, die mich bei der Übersetzung tatkräftig unterstützt hat, ein wichtiger Kontakt.

Im Laufe des Festjahres werde ich hoffentlich noch viele Jüdinnen und Juden kennenlernen, wenn endlich wieder Veranstaltungen mit Besuch möglich sein werden.

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